Mit offenen Ohren durch China: Ein Reisebericht des Landesjugendchors

Musik beginnt oft dort, wo Worte nicht mehr ausreichen. Genau diese Erfahrung durften wir auf unserer Reise nach China machen. Musik wurde zur gemeinsamen Sprache und schuf Verbindungen über Ländergrenzen hinweg.

Gemeinsam mit unserem Gastdirigenten Tristan Meister und der Pianistin Salome Niedecken reisten wir Mitte Juli zunächst zum 18. China International Chorus Festival nach Peking. Anschließend führte uns eine deutsch-chinesische Jugendbegegnung weiter nach Shanghai, Taicang und Suzhou. Die Reise begleitet hat der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur Christoph Degen. Ziel der Reise war es, internationale Begegnungen durch gemeinsames Musizieren zu ermöglichen und den interkulturellen Austausch mit Partnerchören in China zu fördern.

Den Auftakt bildete das Festival in Peking. Bei der Eröffnungsveranstaltung im National Centre for the Performing Arts standen wir gemeinsam mit Chören aus aller Welt auf der Bühne. In den folgenden Tagen gestalteten wir weitere Konzerte, etwa mit dem Portland State Chamber Choir aus den USA sowie mit dem Mixed Choir of the University of Debrecen aus Ungarn. Zwischen Festivalproben, Konzerten und Begegnungen mit Chören aus zahlreichen Ländern herrschte eine geschäftige, internationale Atmosphäre, die den Rhythmus der ersten Reisetage bestimmte.

Parallel dazu begannen die ersten Begegnungen mit chinesischen Ensembles. Gemeinsam mit dem GVENUS Musical Ensemble probten wir das Lied „Guten Tag, liebes Glück“ von Max Raabe, das später bei einem Konzert unter dem Motto „Harmonie & Zukunft“ im Beijing Municipal Administrative Center aufgeführt wurde. Dort begegneten wir außerdem dem Chor der Construction Bank, dem Silver Bell Choir sowie dem Youth Orchestra des Beijing Symphony Orchestra. Gemeinsame Proben, Mahlzeiten und der Austausch von Gastgeschenken boten zahlreiche Gelegenheiten, miteinander in Kontakt zu kommen.

Ein weiterer besonderer Programmpunkt war der Besuch des Musicalprojekts „Birth: The Vine and the Nest“ im Beijing Children’s Art Theatre. Gemeinsam mit den beteiligten Kindern gestalteten wir einen Teil der öffentlichen Aufführung und kamen anschließend mit ihnen und den Projektverantwortlichen ins Gespräch.

Neben den musikalischen Programmpunkten lernten wir Peking auch abseits der Konzertsäle kennen. Wir besuchten den Himmelstempel, die Verbotene Stadt und die hochmoderne Beijing Library. Ein besonderer Höhepunkt war der Ausflug zur Großen Mauer. Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde der Aufstieg zu einer schweißtreibenden Herausforderung, die uns jedoch mit beeindruckenden Ausblicken belohnte.

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ging es anschließend weiter nach Shanghai an die Ostküste Chinas. Die Metropole mit ihren mehr als 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern war Ausgangspunkt für unsere Jugendbegegnung. Dort wurden wir vom Hi Growing International Children’s Choir empfangen. Gemeinsam bereiteten wir ein Konzert unter dem Motto „Eastern Echoes“ in der Music Box Concert Hall vor, probten miteinander und tauschten uns über unsere musikalische Arbeit aus. Darüber hinaus lernten wir traditionelle chinesische Instrumente kennen und konnten die Griffbrettzither Guqin selbst ausprobieren.

Von Shanghai aus reisten wir weiter nach Taicang. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer nordwestlich von Shanghai in der Provinz Jiangsu und unterhält seit vielen Jahren enge Beziehungen zu Deutschland. Dort trafen wir den Jugendchor Taicang, den Kinderchor Lerche Taicang und den Philharmonischen Chor Taicang High-Tech-Zone. Gemeinsam besuchten wir kulturelle Einrichtungen der Stadt, lernten traditionelle chinesische Musik kennen und arbeiteten in mehreren Proben auf ein gemeinsames Konzert hin.

Dieses Konzert fand unter dem Motto „Wo der Rhein auf den Loujiang trifft“ im Großen Theater von Taicang statt. Zusammen mit den chinesischen Chören gestalteten wir das Programm und führten unter anderem eine Strophe von Beethovens „Ode an die Freude“ auf. Mehr als hundert Sängerinnen und Sänger standen dabei gemeinsam auf der Bühne. Der Titel des Konzerts spiegelte dabei treffend wider, worum es während der gesamten Reise ging: musikalische Begegnungen zwischen Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Regionen der Welt kommen.

Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in Suzhou, einer Stadt westlich von Shanghai, die für ihre klassischen Gärten und ihr weit verzweigtes Netz aus Kanälen bekannt ist. Zwischen historischen Brücken, traditionellen Wohnhäusern und geschäftigem Alltagsleben konnten wir noch einmal ganz andere Eindrücke sammeln als zuvor in den Millionenmetropolen Peking und Shanghai. Während wir in den vergangenen Tagen vor allem Chorfestivals, Proben und Konzerte erlebt hatten, stand hier das Kennenlernen der Region im Mittelpunkt. So wurde Suzhou zu einem passenden Abschluss der Reise, bevor es schließlich zurück nach Deutschland ging.

Wenn wir heute auf diese Reise zurückblicken, denken wir an Konzertsäle in Peking, Shanghai und Taicang, an lange Probentage, an Fahrten mit dem Schnellzug und an die Zusammenarbeit mit Chören und Orchestern aus China, Europa und den USA. Vor allem erinnern wir uns an viele gemeinsame musikalische Momente, die über Sprachgrenzen hinweg entstanden sind und dieser Reise ihren besonderen Charakter gegeben haben.

Wir bedanken uns herzlich bei der Deutschen Chorjugend und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die die Jugendbegegnungen in Shanghai und Taicang ermöglicht haben. Ein ebenso großes Dankeschön gilt allen, die unsere Spendenkampagne unterstützt haben. Mit ihrer Hilfe konnte diese Reise stattfinden!

Fotos: Jan Gaudron, Salome Niedecken, Gian Minh Thái, Junge Musik Hessen