Dank der Zustiftung von Heidelies Bierbach-Müller an die Franz Wirth Gedächtnis-Stiftung haben für das Jahr 2025 zwei Mitglieder des Landesjugendjazzorchesters (LJJO) und des Landesjugendsinfonieorchesters (LJSO) ein Stipendium erhalten. Die Franz Wirth-Gedächtnis-Stiftung unterstützt seit über 50 Jahren außergewöhnliche Nachwuchsmusikerinnen und -musiker.
Die Stipendiaten 2025
🎻 Anna Rau (LJSO Hessen) – Mit gerade einmal 15 Jahren spielt sie bereits auf beeindruckendem Niveau Kontrabass. Sie ist eine der ersten Jungstudentinnen für ihr Instrument an der HfMDK Frankfurt und wurde kürzlich ins Bundesjugendorchester aufgenommen. Ihr Stipendium ermöglichte den Kauf eines hochwertigen Kontrabassbogens.
🎸 Hiyab Beraky (LJJO Hessen) – Seit seinem elften Lebensjahr widmet er sich mit Leidenschaft der Gitarre. Der heute 19-Jährige studierte bereits während seiner Schulzeit Jazzgitarre und Gesang am Dr. Hoch’s Konservatorium und wurde mehrfach bei „Jugend Jazzt“, u.a. als Komponist ausgezeichnet. Sein Stipendium nutzte er für einen neuen Gitarrenverstärker.



Musik ist mehr als nur ein Hobby – sie formt Persönlichkeiten, verbindet Menschen und eröffnet neue Horizonte. Doch musikalische Ausbildung ist oft teuer. Instrumente, Meisterkurse, Reisen zu Wettbewerben – all das kostet Geld. Genau hier setzt die Förderung an: Sie gibt jungen Talenten die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, unabhängig von finanziellen Hürden.
5 Fragen an …
Heidelies Bierbach-Müller
Frau Bierbach-Müller, langjährige Schulleiterin, möchte mit ihrer Zustiftung talentierten jungen Musikerinnen und Musikern helfen, ihre künstlerische Entwicklung unabhängig von finanziellen Hürden voranzutreiben.
Wieso engagieren Sie sich bei der Franz Wirth Gedächtnis-Stiftung?
„Ich bekam über eine befreundete Kollegin einen Einblick in die Chancen und Möglichkeiten einer Stiftungsgestaltung. Frau Christiane Eiberger leitet als Vorstandsvorsitzende die Franz Wirth Gedächtnis-Stiftung und ihre Erzählungen und das unmittelbare Erleben ließ mich damals nicht mehr los von der Idee, selber hier etwas bewirken zu können. Konkret wurde der Gedanke während der Corona-Pandemie: Das kulturelle Leben verschwand – keine Konzerte … keine Musik … auch der Nachwuchs hatte keinen Raum für seine begonnene Ausbildung. In einer prägenden Lebenszeit, wo man aktiv Kunst erlebt, ob Konzert, Oper, Ballett, das Theater, die Bühne, war plötzlich: Nichts.
Es ist so wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen, was es heißt, Kunst zu rezipieren und zu interpretieren und darüber in einen Dialog einzutreten. In diesem Kontext entstand die Idee meines Engagements für den musikalischen Nachwuchs.“
Die Stiftung ist vorrangig in Hamburg tätig. Wie kommt es, dass sie nun auch in Hessen engagiert ist?
„Frau Eiberger und ich haben in vielen, verschiedenen Gesprächen den Stiftungsgedanken erörtert – die Vorteile und die Möglichkeiten der Unterstützung, die sich in diesem Bereich bieten. Das für mich Entscheidende war, dass ich aus persönlichen Gründen keine eigene Stiftung mehr gründen wollte. So entstand dieses Konstrukt zwischen Hamburg und Hessen. Frau Eiberger betonte eine Chance, die Stiftungsinhalte über die Grenzen Hamburgs hinaus zu präsentieren. Eine Kooperation zwischen Hessen und Hamburg generiert Möglichkeiten, sich inhaltlich zu vernetzen und damit auch die Potenziale und Ressourcen zu vergrößern – ein wichtiges aktuelles Ziel allgemein in der Stiftungswelt.“
Haben Sie selbst einen musikalischen Hintergrund?
„Die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses ist für mich ein sehr wichtiges Anliegen! Musik – auch die Kunst – sind elementare Möglichkeiten, um sich auszudrücken. Als während der Corona-Pandemie der Unterricht in Schulen ausfiel, gehörte Musik zu den Fächern, die in Hessen komplett gestrichen wurden. Eine elementare Ausdrucksform war genommen. Es sei denn, Kinder und Jugendliche konnten mit ihren Eltern die Initiative ergreifen und sich persönlich engagieren.
Während meiner beruflichen Zeit war mir die Unterstützung musikalischer Projekte immer ein zentrales Anliegen. Es verbindet – eine ganze Schulgemeinschaft, den Erfolg nach wochenlanger Arbeit und das Glück zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Ich selbst war während meiner Schulzeit musikalisch aktiv, danach blieb keine Zeit mehr. Was mich aber immer begleitet hat, war ein intensives Interesse an regelmäßigen Besuchen von Konzerten verschiedenster Art.“
Welche Musik hören Sie privat am liebsten?
„Klassik an erster Stelle – sehr breit aufgestellt: 17. – 20. Jahrhundert, weniger die ganz modernen Komponisten des 21. Jahrhunderts. So ist z.B. Bachmusik im Hintergrund für mich eine fantastische Möglichkeit, konzentriert an Texten zu arbeiten. Aber ich genieße Konzerte, Opern, wie gesagt – Musik aller Art.“
Was würden Sie anderen sagen, die sich auch für den musikalischen Nachwuchs einsetzen möchten?
„Es ist eine Förderung der ganz besonderen Art. Unmittelbarer Kontakt mit dem künstlerischen Nachwuchs zu bekommen, ihre Entwicklung aktiv mit begleiten und dadurch erleben zu können, hat mich nachhaltig inspiriert. Aber auch die Begegnung mit anderen Förderern und Förderinnen ist eine Art von Begegnung, die ich nicht missen möchte.
Es gibt die Möglichkeit sich allgemein über Fördervereine, etwa die Freunde und Förderer des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen e.V., zu engagieren, aber sicherlich auch den von mir gewählten Weg: Eine ganz individuelle Förderung, da, wo sie individuell und ad hoc benötigt wird.
Es bereitet mir eine große Freude, wenn wir mit der Stiftung junge begabte, hoch engagierte Menschen auf ihrem Weg unterstützen können.
Für dieses Engagement möchte ich werben: Das Team der Jungen Musik Hessen mit all ihren Sparten unterstützt bei Anfragen. Stiftungen beraten gerne und zeigen Fördermöglichkeiten auf, an denen man sich unterschiedlich beteiligen kann.
Der anschließende Dank der jungen Leute ist für mich ein „Geschenk“. Sie spiegeln mir, wie sehr sie sich wertgeschätzt fühlen und wie diese Auszeichnung sie motiviert und unterstützt. Eine Förderung zu erhalten, die ihnen persönlich übergeben wird, ist noch einmal ein besonderes Erlebnis für die Förderin und die Geförderten.
Die Franz Wirth Gedächtnis-Stiftung vergibt ihre Fördergelder weniger über Wettbewerbe, sondern stellt konkrete Konzertangebote zur Verfügung, an denen man sich beteiligen kann. Fragen Sie bei Stiftungen direkt an, lesen Sie die Newsletter und wenn Ihnen ein Projekt gefällt, dann werden Sie Pate oder Unterstützer oder Unterstützerin.
Abschließend möchte ich mich bei Ihnen, Herr Bastian und Ihnen, Frau Jäger für Ihr großartiges Engagement und Ihre Unterstützung bedanken. Ihnen ist es zu verdanken und dem ganzen Team, dass viele junge Menschen die Chance erhalten, mit Gleichgesinnten hochkarätig zu musizieren, gemäß dem Motto: Leben für die Musik.“